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Unsere Flußschildkröten

Im Gegensatz zu stehende Gewässer liebenden Sumpfschildkröten bevorzugen diese Arten ruhige Zonen in Fließgewässern, die sich unter ausgehölten Böschungen befinden. In solchen Bereichen gehen Fische gerne auf Nahrungssuche - doch da lauert schon der Tod auf sie. Wir pflegen zwei Arten dieser auf Blitzüberfälle spezialisierten Panzerträger wobei die unmittelbare Art des Beutefanges völlig verschieden ist. Gemeinsam ist diesen Spezies, daß sie in der Lage sind im Bruchteil von Sekunden eine explosionsartige Muskelkontraktion zu erzeugen. Bei der Matamata wird das riesige Maul zugleich mit dem vorschnellenden Hals weit aufgerissen wodurch ein enormer Sog entsteht. Der Druckausgleich sorgt dabei für einen lauten Knall. Man kann das ganz gut zu Demonstrationszwecken provozieren, mit dem Erfolg dabei regelmäßig gebissen zu werden. Das ist im Gegensatz zum Biß einer Schnapp- oder Geierschildkröte harmlos denn die Matas besitzen keine Hornschneiden sondern sehr weiche Mundränder, praktische Dichtungslippen. Nur damit kann Ihr Fangapparat funktionieren. Sie saugen also die erstaunlich große Beute wie mit einem Turbostaubsauger ein ohne sie zu zerteilen. Alles weitere muß der Magen übernehmen. Es sind die einzigen Schildkröten die sich nicht selbst aktiv verteidigen können - nur einen vermeintlichen Gegner erschrecken ist ihre Taktik. Es kommt aber hinzu, daß sie auf Grund ihrer zerklüfteten Körpergestalt - der deutsche Name Fransenschildkröte ist da eher noch geschönt - in der Natur nahezu unsichtbar sind, mit entsprechend veralgtem Carapax eher als eine Baumwurzel angesehen werden. Selbst unsere Besucher, die Auge in Auge vor der Mata stehen sind fast nie in der Lage deren Augen zu erkennen und unser Tier ist immer saubergeputzt.

Die Schnappschildkröten, ich wies darauf hin, expandieren ihren unheimlich langen Hals geschoßartig und schlagen dabei ihre messerscharfen Hornschneiden mit der Kraft ihrer Kiefer in das Opfer. Was dabei überaus bemerkenswert scheint ist die Tatsache, daß die Beißkraft nicht ungehemmt wie bei einer aggressiven Verteidigung sondern wohl dosiert auf die Konsistenz des Beutetieres gedrosselt wird. Das macht Sinn denn was nutzt es wenn nur ein kleiner Bissen im Maul verbleibt während der abgetrennte Rest davonschwimmt?

Nur der Vollständigkeit halber, wir besitzen keine und wollen auch keine haben, hier die Anmerkung zur zweiten Art der Alligatorschildkröten: Die Geierschildkröte.
Sie ist die größte und dabei am raffiniertesten vorgehende Vertreterin dieser Tiergruppe. Für den Nahrungserwerb wendet sie die allerwenigste Energie auf, beschränkt sich einzig auf die Kontraktion der Kiefermuskulatur. Im Lauermodus ist der Rachen weit geöffnet - das ist die Entspannungsphase. Im Rachenraum zappelt dabei ein kleiner, rosiger "Wurm", eine leckere Beute für manch unbedarften Fisch. Sobald er den "Wurm" nur ganz vorsichtig berührt knallen die Kieferhälften wie die Bügel eines Schlageisens zusammen. Das neugierige Wesen hat ausgelebt. Ich weiß nicht, wie die Geierschildkröte ihre Beißkraft dosiert, hatte noch nie längeren Kontakt mit so einem Exemplar, daß sie es macht scheint unstrittig denn ansonsten könnte sie auch nur von kleinen Häppchen leben und das ist unwahrscheinlich. Auch die Geierschildkröte ist durch den obligatorischen Algenbewuchs ihres Rückenpanzers und ihr allgemein dunkles Aussehen mit ihrer Umgebung optisch zu einem undefinierbaren Etwas verschmolzen. Das kann man in einer wie auch immer gestalteten Schauanlage nur völlig unzureichend demonstrieren denn der Besucher soll und will ja etwas sehen und kein Bilderrätsel lösen - leider!


Alligatorschildkröten

Nicht der furchterregenden Beißkräfte dieser Tiere ist der Gattungsname für die zwei bekannten Arten zu verdanken. Vielmehr hat der für Schildkröten extrem lange Schwanz durch seinen Besatz mit auffällig großen, hochkant stehenden Hornhöckern zur Namensgebung verleitet. Wir pflegen ein nun etwa 15 kg wiegendes Männchen der Schnappschildkröte. Dieses geriet seinerzeit in das Einlaufwerk eines Wasserwerkes und wurde dort von dem automatischen Abstreifrechen mehrfach durchbohrt. Da hierbei die Technik den Dienst quittierte, wurde das Tier bemerkt und von den Technikern aus den Stahlzinken befreit. Gerade noch rechtzeitig vor dem ertrinken aber dennoch so vital, daß es, auf den Boden gesetzt, die Männer mit kühnem Sprung beißwütig angriff; nein es ist keine Bestie, nur in der Todesangst mobilisierte der Körper die letzten Reserven um sich zu verteidigen. Als das Tier zu uns kam, haben wir neben den offenen Fleischwunden und einer Querfraktur des Carapax mit Gewebeaustritt auch einen einseitigen Brückenbruch diagnostiziert. Es war Hochsommer - das bedeutet jede Menge Fliegen, die nur auf rohes Fleisch und Wundsekret lauern. Es hat wohl kaum ein Mensch mehr einen Pfifferling auf den Schnapper gegeben, auch ich habe lange Zeit mit dem Schlimmsten gerechnet. Allerdings ist mir sehr wohl bekannt, daß Reptilien über ein unvorstellbares Selbstheilungspotential verfügen, das weit jenseits menschlicher Vorstellungskraft liegt! Der Schnappi bekam zuerst eine Umgurtung aus Bandstahl, der in einem PVC-Schlauch gegen Einwachsen geführt wurde. Damit sollten die Bruchränder der Brücke gegen anhaltendes Verschieben stabilisiert und die erhoffte Knorpelneubildung unterstützt werden. Die offenen Wunden wurden mit dem Ziel der Austrocknung in bewährter Weise konventionell behandelt, nekrotisches Gewebe danach mit dem scharfen Löffel entfernt. Die folgenden Monate lebte Schnappi in einer offenen Kinderbadewanne, natürlich ohne Wasser, im abgedunkelten Büro. Er mußte also täglich mindestens einmal getränkt werden, was nur durch konsequentes Kopfeintauchen möglich war. Bei einem gesunden Tier absolut nicht praktikabel! Der Patient hingegen ergab sich zuerst in sein Schicksal und späterhin funktionierte das weiter aus purer Gewohnheit. Es ist also wirklich keine innige Liebe zu uns und schon gar keine Einsicht in die Notwendigkeit gewesen, sondern das allen Schildkröten eigene, oft als Starrsinn verschriene festhalten an einmal gemachten positiven Erfahrungen. Die stark dislozierte Carapaxfraktur ist dann rel. rasch ausgeheilt, leider ein bleibender Schönheitsfehler, da wir keine effektiven Möglichkeiten zum reponieren des Knochens im Nackenbereich sahen. Im darauffolgenden Jahr war Schnappi soweit hergestellt, daß er in ein 250-Liter fassendes Gestellaquarium einziehen konnte. Das Becken war lang genug, damit er sich komplett ausstrecken konnte und es war mit 50 cm zudem schmal genug, um sich nicht umdrehen zu können. Die Wasserfüllung entlastete durch den natürlichen Auftrieb den Körper. Sie war lebensnotwendig, da es höchste Zeit für eine kontinuierliche Nahrungsaufnahme wurde und das ist wirklich nur im bzw. unter Wasser möglich. Seither lebt Schnappi bei uns in einer eigenen Anlage, geht auch gern mal auf Landgang um ein Sonnenbad zu nehmen. Seine einstige Handzahmheit hat sich naturgemäß verloren, was geblieben ist, ist seine für eine erwachsene Schnappschildkröte völlig untypische Friedfertigkeit - wenigstens uns gegenüber. Das darf natürlich niemals zu Sorglosigkeit verleiten denn die Beißkraft eines Schnappers liegt weit über der eines Kakadu, und der Finger eines Erwachsenen oder die Hand eines Kindes werden von den Kieferkräften wie Butter durchtrennt! Humbold berichtet von einem glatt durchgebissenen Spazierstock, und Humbold darf nun wirklich nicht als "Spinner" abgetan werden! In zoologischen Einrichtungen wird Alligatorschildkröten normalerweise mittels großer, aus massivem Buchenholz gefertigter Wäschezangen das Futter gereicht. Diese Zangen müssen immer wieder erneuert werden da sie zuweilen versehentlich von den Tieren mit abgebissen werden! Es ist völlig richtig, daß solche Arten nicht mehr gehandelt und in Privathand gehalten werden dürfen. In der Vergangenheit gab es nicht nur einzelne Entweichungen erwachsener Exemplare sondern in größerem Umfang auch gezielte Entsorgungen durch verantwortungslose "Liebhaber". Wie unser Schnappi einst in die Neiße kam ist nie wirklich geklärt worden - per Schiff aus Amerika ganz sicher nicht. Schildkrötenbabys sind leider so unsäglich niedlich, daß sie viele Menschen zum Kauf dieses "Kinderspielzeuges" ermuntern. Appelle an die Vernunft sind sinnlos weil: wo nichts ist, kann man auch nicht dran rütteln. Es besteht die reale Gefahr, daß Schnappi uns überlebt. Wir müssen also Vorsorge treffen und alle Eventualitäten zu unseren Lebzeiten regulieren. Das ist in dem Falle besonders schwierig, weil eine neuerliche Verbringung in die Natur für dieses Tier ausscheidet und, das ist auch zu beachten, Schnapper können prinzipiell nur einzeln gehalten werden da sie wie viele solitäre Beutegreifer äußerst brutal gegen Artgenossen agieren wenn es, in dem Fall nicht um die Wurst, sondern um DEN Fisch geht. Diese unbedingte Aggressivität hat unser Schnappi leider nie wieder erlangt, worüber wir aber keinesfalls böse sind da sich so ein großes Tier eben auch handhaben lassen muß ohne daß man stets um Leib und Leben zu fürchten hat. Er ist ein aufwendiger aber interessanter Pflegling, der sich im Laufe der Jahre auch zum teilweisen Selbstversorger gemausert hat. Ahnungslose Vögel, die an seinem Ufer baden wollen kennen kein Feindbild "Schildkröte" was ihnen zuweilen zum Verhängnis wird denn langsam ist ein Schnapper wirklich nicht - er macht blitzschnell Beute was ein unbedarfter Schildkrötenfreund von so einem grobschlächtigen Tier niemals erwarten würde. Lahme Schildkröte - das ist ein zwar unausrottbares aber ebenso falsches Klischee und eine der Ursachen für viele Unfälle.

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